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Die Karenni-Staaten

By Tobias Esche

In der Kyaek-Höhle

Der flächenmäßig kleinste Teil der Union mit knapp 300 000 Einwohnern ist der Kayah-Staat. Die Entstehung des Kayah-Staats innerhalb der Union Myanmar gilt als Unfall der Geschichte. Zu Beginn der vollständigen britischen Besatzung versprachen sowohl der noch existierende Königshof in Mandalay, aber auch die vorrückende Kolonialmacht Großbritannien, den damals fünf Karenni-Staaten auf dem Gebiet des heutigen Kayah-Staats die Unabhängigkeit. Unter diesen fünf Staaten befand sich auch Kantharwaddy, heute eine Region zwischen dem Thanlwin und der Grenze zu Thailand. Dieses Versprechen, dass nach dem Abzug der Briten nicht eingehalten werden konnte, mündete in einem Bürgerkrieg aufständischer Kräfte gegen den Zentralstaat über die darauffolgenden Jahrzehnte.

Die letzten authentischen Reiseberichte stammen aus der Kolonialzeit: An der westlichen Grenze des Kayah-Staats befindet sich der Kayin-Staat, der hier seine nördliche Spitze hat. Dort befindet sich Thandaung Gyi, eine ehemalige Hill Station, mit dem wahrscheinlich größten christlichen Kreuz Myanmars. Südöstlich von Thandaung, nur 3 Fahrtstunden (oder, laut Oberstleutnant A. R. McMahon 1876, drei Tagesmärsche ab Taungoo) entfernt, befindet sich der Nattaung, der „Geisterberg“, mit 2623 Metern Höhe von den Kayin hochverehrt, und zuletzt vom Ethnologen Adolf Bastian 1883 als Wohnort der Glücksgöttin Jala beschrieben.

Blick in den Kayah-Staat

Blick in den Kayah-Staat

Nur 20 Kilometer weiter östlich des Nattaung quert man endlich die Grenze zum Kayah-Staat, der Heimat der „Roten Kayin“. Der erste größere Ort ist Mawchi, wo sich die gleichnamigen Minen befinden, die in den 1930er Jahren die wichtigste Wolfram-Lagerstätte der Welt waren. Die Memoiren L.A. Croziers, dem australischen Manager der Mine in den 1950er Jahren, gelten bislang als letzte Beschreibung der Region. Weiter östlich wird noch in diesem Jahr die Grenze zur thailändischen Provinz Mae Hong Son geöffnet werden, was zweifelsfrei einen Anstieg der Touristenzahlen bewirken wird. Zur Einweihung der neuen Brücke, die bei Hpasawng über den mächtigen Thanlwin, einem der bedeutendsten Ströme Südostasiens, führt, war sogar Präsident Thein Sein zugegen.

Der Kayah-Staat ist auch für Höhlenforscher interessant. Zuletzt war ein schweizer Höhlenforschungsteam im Januar 2015 im Kayah-Staat unterwegs, und hat dort, erstmalig in der Geschichte, zwei der bedeutendsten Höhlen Myanmars kartographiert. Im südlichen Teil des Kayah-Staats bei Bawlakhe fanden sie die Rote-Fluss-Höhle, die 1275 Meter in den Berg führt. Sie ist mit zehn Minuten Busanfahrt und dreissig Minuten Anmarsch einfach zu erreichen. Ein unscheinbares Loch von 1 m Durchmesser öffnet sich innerhalb einiger Blöcke am Fuss eines 300 Meter hohen Felskessels. Der Flusslauf wird nach einem 10 Meter Abstieg durch einen Versturz schnell erreicht. Eindrucksvoll wälzt sich ein 15 bis 20 Meter breiter, reissender Strom von rechts aus der Dunkelheit und verschwindet in einem 8 Meter hohen Tunnel.

Die Hauptstadt des Kayah-Staats heißt Loikaw und befindet sich im Norden. Von hier aus ist es etwa nur eine Stunde Fahrt mit dem Auto bis in den Shan-Staat und insgesamt ca. 4 Stunden Fahrt bis zum Inle-See. In Loikaw befindet sich der einzige Flughafen des Kayah-Staats, und dieser wird mittlerweile fast täglich von Yangon aus angeflogen – ein Zeichen für die gewachsene touristische Bedeutung dieses Teils der Union. Das Wahrzeichen Loikaws ist die Kwe-Taung-Pagode, die „geteilte Pagode“. Auf zwei Bergspitzen mitten in der Stadt befinden sich zwei Stupas, die durch eine Brücke miteinander verbunden sind. Es heißt, dass Liebespaare den Besuch dieser Pagode vermeiden, da man befürchtet, dass diese „geteilte Pagode“ auch die Paare entzweit.

Die Umgebung Loikaws zeichnet sich durch zwei Dinge aus: Die Padaung, hier Kayan genannt, und Höhlen. Die Padaung sind in Thailand, und zwar in der Provinz Mae Hong Son als „Langhals- oder Giraffenfrauen“ bekannt. Die Messingringe bekommen die Mädchen bereits im Alter von 5 Jahren angelegt. Die Legende will, dass diese Ringe die Mädchen und Frauen vor Geistern und vor Tigerbissen schützen sollen.

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Die Kyaek-Höhle bei Loikaw misst 2194 Meter Tiefe. Sie darf nur barfuß betreten werden, da man in ihr Geister vermutet, denen man gebührend Respekt entgegenbringen muss. Ihr größtes Mysterium sind Reste von Holzkisten, von denen man glaubt, es handele sich um Särge, in denen sich früher wohlhabende Bürger der Region mit allen ihren Reichtümern beerdigen ließen. Deren Geister sollen wohl noch in der Höhle hausen. Viel wahrscheinlicher jedoch ist die Annahme, dass einige Widerstandstruppen der 1950er Jahre hier ihre Waffenlager hatten. Die Zeiten der bewaffneten Auseinandersetzungen sind endgültig vorbei. Mittlerweile werden neue Hotels in Loikaw gebaut (eins von einem Deutschen), und die gestiegenen Tourismuszahlen unterstreichen das gewachsene Interesse am Kayah-Staat, dem Staat der „Roten Karen“.

Der Beitrag Die Karenni-Staaten erschien zuerst auf Netzwerk-Myanmar.

Über Tobias Esche

Der studierte Südostasienwissenschaftler, dessen Großeltern schon in Myanmar lebten, lernte die Sprache Myanmars und arbeitete im Rahmen eines Forschungsprojekts in Myanmar. Es folgten weitere Veröffentlichungen wie zum Beispiel der Reiseführer „Myanmar- Unterwegs im Land der weißen Elefanten“, erschienen beim Trescher Verlag. Tobias Esche lebt und arbeitet in Yangon.

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